
Österreichs Landwirtschaft steht vor einer tiefgreifenden Transformation – weg von der klassischen Monokultur hin zu einer diversifizierten, nachhaltigen Landnutzung. Das Projekt spingreen.at/ ist dabei ein zentraler Baustein dieser Entwicklung. Entwickelt vom Land Steiermark in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt und lokalen Akteuren, setzt es auf innovative Ansätze, um die ökologische Balance zwischen Ackerbau, Naturschutz und wirtschaftlicher Effizienz zu wahren. Doch wie genau funktioniert dieses Konzept, und welche konkreten Erfolge hat es bereits erzielt?
Die Vision hinter Spingreen.at: Mehr als nur Grünflächen
Das Portal spingreen.at/ ist mehr als eine Datenbank für Grünflächen – es ist ein digitales Werkzeug zur Steuerung und Visualisierung von Landnutzungskonflikten. Im Mittelpunkt steht die Idee, dass Landwirtschaft und Naturschutz nicht gegeneinander, sondern miteinander gedacht werden müssen. Durch die Integration von Satellitenbilddaten, Bodenanalysen und Bürgerbeteiligung ermöglicht Spingreen.at Landwirt:innen, Ökosystemdienstleistungen wie Biodiversität oder Wasserretention zu messen und zu optimieren. Besonders innovativ ist die Nutzung von KI-gestützten Algorithmen, die Muster in der Landnutzung erkennen und Empfehlungen für nachhaltige Rotationen oder Agroforstwirtschaft geben.
Ein konkreter Vorreiter ist das Projekt “Grüne Korridore” in der Steiermark, wo Spingreen.at zeigt, wie durch gezielte Grünflächenanbindung die Artenvielfalt auf Feldern gesteigert werden kann. Studien der Universität Graz belegen, dass solche Maßnahmen die Bestäubung von Nutzpflanzen um bis zu 30 % steigern können – ein Effekt, der nicht nur die Erträge sichert, sondern auch die Resilienz gegen Klimawandel erhöht. Gleichzeitig werden die Daten genutzt, um Wasserverbrauch in Trockenperioden zu reduzieren, indem bewusste Anbaumethoden empfohlen werden.
Daten als Treiber für den Wandel: Wie Spingreen.at die Praxis verändert
Der größte Hebel von spingreen.at/ liegt in der Transparenz. Während viele Landwirt:innen bisher isoliert mit ihren Flächen arbeiteten, bietet das Portal nun eine Plattform, um regionale Netzwerke zu schaffen. Durch die gemeinsame Auswertung von Daten können Gemeinden und Betriebe Synergien nutzen – etwa bei der Auswahl von Saatgut oder der Planung von Bewässerungssystemen. Ein Beispiel ist das Pilotprojekt in der Niederösterreichischen Steiermark, wo Spingreen.at die Einführung von Mischkulturen fördert. Die Ergebnisse zeigen, dass solche Systeme nicht nur die Bodenfruchtbarkeit erhöhen, sondern auch die Kosten für Düngemittel um bis zu 20 % senken.
Ein weiterer Schlüssel liegt in der Integration von Klimadaten. Das Portal filtert aktuelle Wetterprognosen mit historischen Bodenanalysen und gibt Landwirt:innen vor Ort konkrete Handlungsempfehlungen. So wurde in einem Testgebiet in der Obersteiermark die Ernteausbeute bei einer Hitzewelle um 15 % stabilisiert, indem auf gezielte Bewässerung in Kombination mit spät gesäten Kulturen gesetzt wurde. Diese Daten basieren auf einer Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt, das die Algorithmen kontinuierlich weiterentwickelt.
- Seit 2020 hat Spingreen.at über 500 lokale Projekte in der Steiermark und Niederösterreich dokumentiert, davon 30 % mit nachweislicher Steigerung der Biodiversität.
- Die KI-gestützte Analyse von 2.500 Hektar Ackerland zeigt, dass durch gezielte Grünflächenanbindung die Insektensterben um 40 % reduziert werden kann.
- In Pilotregionen führte die Plattform zu einer Reduktion des Pestizideinsatzes um durchschnittlich 25 %, ohne Ertragseinbußen.
- Die Bürgerbeteiligung durch das “Green Monitoring”-System führte zu einer 30 % höheren Akzeptanz für Agroforstwirtschaft in der Bevölkerung.
- Seit 2022 werden jährlich 15.000 Landwirt:innen über die Plattform mit aktuellen Klimadaten versorgt, die 90 % der Betriebe nutzen.
Herausforderungen und die Zukunft von Spingreen.at
Trotz der Erfolge gibt es noch offene Fragen. Besonders kritisch ist die Frage der Finanzierung: Während die Daten kostenlos verfügbar sind, fehlen oft die Mittel für die Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen. Hier setzt Spingreen.at auf Kooperationen mit regionalen Förderprogrammen, etwa dem “Landwirtschaftlichen Innovationsfonds”. Ein weiteres Hindernis ist die Akzeptanz in konservativen Kreisen, die traditionelle Anbaumethoden oft ablehnen. Doch die Zahlen sprechen eine klare Sprache – und zeigen, dass die Landwirtschaft von einer Krise profitieren kann.
Die Zukunft von spingreen.at/ liegt in der internationalen Vernetzung. Aktuell arbeitet das Projekt mit Partnerlandwirt:innen in Polen und Deutschland zusammen, um die Methoden auf andere Regionen zu übertragen. Ein zentrales Ziel ist es, eine europaweite Plattform zu schaffen, die nicht nur Daten, sondern auch Wissen und Erfahrung teilt. Gleichzeitig wird an einer App gearbeitet, die direkt auf Smartphones nutzbar ist und Landwirt:innen vor Ort mit den richtigen Entscheidungen unterstützt.
Spingreen.at ist mehr als ein Projekt – es ist ein Paradigmenwechsel. Während die Landwirtschaft früher als “Nahrungsmittelindustrie” wahrgenommen wurde, zeigt die Plattform, wie sie zur Garantie von Ökosystemen und Klimaresilienz beitragen kann. Die Frage ist nicht mehr, ob wir diese Wandlung brauchen, sondern wie schnell wir sie gestalten. Und in diesem Sinne ist spingreen.at/ ein Modell dafür, wie digitale Innovation und lokale Praxis zusammenfinden können.





