
In der Schweiz wird die Wohnungsfrage immer drängender – besonders in Ballungsräumen wie Zürich. Legiano 1, ein Projekt des Legio-Netzwerks, zeigt, wie innovative Konzepte die Wohnungsnot lindern und gleichzeitig ökologische Standards erfüllen können. Das Projekt ist kein Einzelfall, sondern Teil eines breiteren Trends, der auf modularen, genossenschaftlichen und digitalen Lösungen setzt. Doch was genau macht Legiano 1 so besonders, und wie kann es als Vorbild für andere Schweizer Städte dienen?
Ein Modell für nachhaltige Genossenschaftswohnungen
Legiano 1 entstand als Pilotprojekt des Legio-Netzwerks, das sich auf die Entwicklung von Wohnraum in urbanen Räumen spezialisiert hat. Das Konzept kombiniert klassische Genossenschaftsmodelle mit modernen Ansätzen wie vertikaler Gärten, erneuerbaren Energien und flexiblen Wohnflächen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Wohnprojekten, die oft auf kurzfristige Spekulationen setzen, zielt Legiano 1 darauf ab, langfristige Wohnverhältnisse zu schaffen – für Menschen, die sich eine eigene Wohnung leisten können, ohne auf Komfort oder Nachhaltigkeit verzichten zu müssen. Die Genossenschaftsstruktur garantiert zudem eine demokratische Mitbestimmung der Mieter:innen, was zu einer stabileren und zufriedeneren Wohnkultur führt.
Ein zentrales Merkmal des Projekts ist die Modularität: Die Wohnungen lassen sich an die Bedürfnisse der Mieter:innen anpassen, sei es durch flexible Zimmeraufteilungen oder die Integration von Arbeitsplätzen. Dies ermöglicht es, Wohnraum effizienter zu nutzen und gleichzeitig die Lebensqualität zu steigern. Zudem setzt Legiano 1 auf lokale Materialien und Kreislaufwirtschaft – etwa durch den Einsatz von Recyclingbeton oder recycelten Metallen. Die Energieversorgung erfolgt über eine Mischung aus Photovoltaik, Geothermie und einem Blockheizkraftwerk, was den CO₂-Ausstoß deutlich reduziert. Laut den ersten Auswertungen des Projekts konnten die CO₂-Emissionen um rund 30 % im Vergleich zu konventionellen Neubauten gesenkt werden.
Finanzierung und Marktchancen
Die Finanzierung von Legiano 1 erfolgte durch eine Kombination aus öffentlichen Fördermitteln, privater Investitionen und Mitgliedschaften der Genossenschaft. Das Projekt zeigt, dass nachhaltige Wohnprojekte auch wirtschaftlich attraktiv sein können, wenn sie auf klare Geschäftsmodelle setzen. Die Genossenschaftsstruktur ermöglicht es, die Kosten über die Lebensdauer der Wohnungen zu verteilen, während die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum in der Schweiz weiterhin hoch bleibt. Laut einer Studie des Bundesamts für Wohnungswesen (BAWO) fehlen in der Schweiz aktuell rund 120.000 Wohnungen – Legiano 1 ist ein Beispiel dafür, wie solche Lücken geschlossen werden können, ohne die Stadtzentren zu überfluten.
Ein weiterer Vorteil des Projekts liegt in seiner Skalierbarkeit: Die modularen Bauweisen und die digitalen Planungsmethoden ermöglichen es, ähnliche Projekte in anderen Schweizer Städten umzusetzen. Besonders interessant ist, dass Legiano 1 nicht nur für Einfamilienhäuser oder Wohnungen, sondern auch für gemischte Nutzungen – etwa mit Gewerbeeinheiten oder Gemeinschaftsflächen – konzipiert wurde. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für die Stadtentwicklung und könnte helfen, die Abhängigkeit von Einzelhandelsflächen zu verringern. mehr infos
Kritik und Herausforderungen
Trotz seiner Vorzüge gibt es auch Kritikpunkte. Einige Mieter:innen berichten, dass die Anpassungsmöglichkeiten der Wohnungen nicht immer optimal umgesetzt werden. Zudem bleibt unklar, wie das Projekt langfristig finanziert werden soll, wenn die Genossenschaftsmitglieder nicht alle die gleichen finanziellen Möglichkeiten haben. Zudem ist die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum in der Schweiz extrem hoch, und nicht alle Städte sind bereit, so radikale Lösungen wie Legiano 1 umzusetzen. Dennoch bleibt das Projekt ein wichtiger Impuls für die Schweizer Wohnungsbaupolitik.
Ein weiterer Punkt ist die Akzeptanz in der Bevölkerung. In einigen Quartieren gibt es Widerstand gegen neue Wohnprojekte, besonders wenn sie als „exotisch“ oder „zu modern“ wahrgenommen werden. Legiano 1 hat sich jedoch durch eine transparente Kommunikation und die Einbindung der Anwohner:innen in die Planung durchsetzen können. Dies zeigt, dass nachhaltige Wohnprojekte nicht nur ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch sozial verträglich sein können.
- Legiano 1 reduziert die CO₂-Emissionen um 30 % im Vergleich zu konventionellen Neubauten.
- Die Genossenschaftsstruktur ermöglicht eine demokratische Mitbestimmung der Mieter:innen.
- Modulare Bauweisen ermöglichen flexible Wohnraumnutzung und Anpassung an individuelle Bedürfnisse.
- Das Projekt kombiniert Wohnraum mit lokalen Materialien und Kreislaufwirtschaft.
- Laut BAWO fehlen in der Schweiz aktuell rund 120.000 Wohnungen.
- Legiano 1 ist ein Beispiel für gemischte Nutzung von Wohn- und Gewerbeeinheiten.





